Frank-Walter Steinmeier (SPD) : Ein Schrei nach Liebe

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Die geschichtliche Entwicklung kennt seit Jahrhunderten eine Konstante, die in der Literatur, in Theaterstücken, im Film, in der politischen Analyse –ja sogar in der Oper- immer wieder ihren jeweils aktualisierten Platz findet:  

Die Herrschaft liebt den Verrat, nicht aber den Verräter. 

 

Für den „Überläufer“, den Verräter führt regelmäßig die mangelnde Anerkennung seines Verrats seitens seiner neuen Herren zu  teilweise schwerwiegenden psychosozialen Problemen. Er hat der Gegenseite mit Informationen, mit Rat und Tat, mit öffentlicher Buße und dem Eifer des Neukonvertiten zur Seite gestanden.  Jetzt hadert er mit sich selbst, er möchte Teil der neuen Herrschaftselite sein, er hat sich erniedrigt und wird doch nicht erhöht.  Nun gut, er hat geldwerte Entschädigung erhalten, aber – der Zutritt zu den Häusern der Herrschenden erfolgt immer noch durch den Dienstboten-Hintereingang. Er gehört nicht dazu, fühlt sich benutzt und abgetan. Die Herrschaft bemängelt den falschen Hautgout, diesen Geruch von Unzuverlässigkeit und Prinzipienlosigkeit, den der Verräter immer noch um sich herum verbreitet. Der Verräter ist und bleibt ein einsamer Mensch – seine alten „Genossen“ begegnen ihm mit Verachtung, seine neuen Herren halten distinguierten Abstand.

Nun also  Frank-Walter Steinmeier, SPD.   Man kann die politische Tätigkeit dieses Herrn und seiner Spießgesellen sicher nicht mehr vorrangig unter der Kategorie des Verrats fassen – es gibt keine größere gesellschaftliche Gruppe mehr, die die SPD noch nicht verraten hat – das hat sie alles längst hinter sich.  Aber man kann die Kränkung schon verstehen, die den ehemaligen SPD-Minister erfasst, wenn er miterleben muss, dass selbst abgewählte Finanz- und Wirtschaftsexperten der FDP auf den Tagungen der Unternehmer- und Industrieverbände mit großem Beifall bedacht werden, während er selbst bei solchen Gelegenheiten meist am Katzentisch Platz nehmen muss. Es brodelt in ihm, ihm muss Gerechtigkeit widerfahren, seine Verdienste müssen endlich von der geldbesitzenden Klasse gewürdigt werden. Er will endlich und vollständig dazugehören. Keiner soll ihn mehr den „roten Frank“ nennen. Auf dem Verbandstag des Bundesverbands der Arbeitgeberverbände (BdA)  darf er eine Rede halten und wirft sich vor den Vertretern des Kapitals in den Staub.

Die Rede ist entlarvend besonders für Menschen, die noch irgendetwas von der SPD erwarten – der Mann bettelt geradezu darum, vom versammelten Geldadel geliebt zu werden. „Ich bin doch einer von euch“ sagt die Rede und über quälende Minuten zählt er penibel auf, was die SPD in der Schröder-Regierung und während der großen Koalition alles getan hat, um die Verwertungsbedingungen des Kapitals abzusichern und zu verbessern. Er vergisst die Liberalisierung des Arbeitsmarkts nicht, nicht die Ausweitung von Zeit- und Leiharbeit, nicht die vielfältigen Steuererleichterungen für Reiche und Superreiche, nicht die Etablierung von Hedgefonds auf deutschem Staatsgebiet, die Liberalisierung des Aktienrechts…nichts lässt er aus.  Er bittet die Herren mit den Nadelstreifenanzügen um anerkennenden Beifall. Der fällt allerdings durchaus verhalten aus. Soviel Anbiederung scheint selbst den Vorständen der deutschen DAX-Konzerne peinlich zu sein.  Es ist die Rede eines Lakaien, eines Dienstboten. Aber man vergesse nicht: Es ist ein im drögen sozialdemokratischen Funktionärsdeutsch vorgetragener Schrei nach Liebe.

Die Rede ist hier dokumentiert. Damit man zwischendurch nicht einschläft, empfehle ich, sich auf die Passagen ab Min. 17 zu konzentrieren. Viel Spaß:

http://www.youtube.com/watch?v=c1OomcaIePc

(Dank an Hannes, der mich auf dieses Stück sozialdemokratischer Gegenwartskultur aufmerksam gemacht hat)

 

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Über rantanplan102

Rantanplan102 macht Musik. Er interessiert sich für Kultur, Literatur, die sozialen und politischen Verhältnisse und natürlich für die Musik. Er liebt die große wilde Natur. Er fühlt sich der internationalen nicht-autoritären Linken verbunden. Er ist zu erreichen unter bluebossa38@gmail.com
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