Olympia in Hamburg: Teuer und Panne

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Nun rufen uns Senat, SPD, CDU, AfD, FDP, Grüne, Handelskammer, Handwerkskammer, Allianz-Versicherung, OTTO-Group, BILD, Abendblatt, Morgenpost, NDR , Boris Becker, Sylvie van der Vaart und die anderen versammelten Promi-Hupfdohlen   zur Volksbefragung:  JA zu Olympia in Hamburg! Kaum halten vor Begeisterung  kann sich auch die GRÜNE Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank:  Sie schwärmt in den höchsten Tönen vom Projekt „GRÜNE Spiele“ – ohne auch nur mit einem Wort auf die fundamentale Kritik des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) einzugehen (s.u.).   Auch der ehemalige Olympia-Botschafter Walter Tröger meldet sich in der Bildzeitung zu Wort und macht Vorschläge, wie das IOC von den Qualitäten Hamburgs als Olympia-Stadt überzeugt werden kann: „Hamburg ist eine Shopping-Stadt par excellence. Das muss dem IOC und seinen Frauen klargemacht werden.“

Werbe-Overkill

Der Kampf um die öffentliche Meinung für das Olympia-Projekt wird federführend von der Hamburger Handelskammer geführt. Die Kampagne  „Feuer und Flamme für Olympia in Hamburg“  hat ihren Sitz in der Handelskammer,  hier werden Millionen € vom Hamburger Industrie-, Finanz- und Handelskapital bereitgestellt, um im medialen Dauerfeuerwerk vorne zu liegen. Aktuell überschwemmt die BILD-Zeitung mit einer Gratis-Ausgabe von 95o.ooo Exemplaren die Hamburger Briefkästen; Motto: „So sexy können die Spiele sein…!“ Wie solche Propagandabemühungen praktisch aussehen, zeigt folgendes kleines Beispiel: Der klamme 2.-Liga Fußballclub 1.FC Nürnberg (!) bekommt eine erkleckliche Summe aus dem Werbefonds der Kampagne „Feuer und Flamme für Olympia“ und schmückt seine Trikots für 4 Wochen mit dem Kampagnen-Aufdruck.  Beim letzten Zweitligaspiel waren die neuen Trikots zum ersten Mal zu sehen – und prompt knallt das Hamburger Abendblatt am nächsten Tag ein Großfoto der Nürnberger Spieler auf die Titelseite mit der Balkenüberschrift: “ Auch Nürnberger Fußballer für Olympia in Hamburg!“  Die armen Nürnberger Fußballer müssen sich ganz schön verarscht vorgekommen sein. Die Hamburger Profi– und Amateurfußballvereine halten sich in dieser Frage sichtbar bedeckt – sie wollen es sich wohl nicht mit großen Teilen ihrer Fans verderben. Na ja, vielleicht „komponiert“ das Hamburg-Maskottchen Lotto King Karl ja auch noch einen Olympia-Song.

Es ist müßig, alle Argumente gegen das „Mega-Event“ noch einmal in dieser Betrachtung auszubreiten – für alle, die sich en detail informieren wollen, gibt’s am Schluss des Artikels ein paar Links:  Da geht es um Finanzierung, Gentrifizierung, Umweltprobleme, Verkehrschaos, Korruption, Nachhaltigkeit, Sportpolitik, Erfahrungen mit der Elbphilharmonie , Sicherheitskonzepte und die juristische und praktische Unterwerfung der Stadt Hamburgs unter das Diktat des IOC während des Verlaufs der Spiele.

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Wer hat hier die Hosen an?

Die Unterwerfung der Stadt unter die Vorgaben des korrupten IOC ist allumfassend: In einem „Host-City-Vertrag“  zwischen Hamburg und  dem IOC wird das IOC von jeglicher finanzieller Haftung freigestellt, dem IOC ist Steuerfreiheit garantiert, die Privilegien der Herren des IOC werden bis ins Einzelne beschrieben…das geht sogar so weit, dass für die Zeit der Spiele der Senat keine ausländischen Staatsgäste einladen darf, ohne die Erlaubnis des IOC einzuholen. Da wird unser kleiner König Olaf noch Augen machen:  Wenn Königin Silvia -wie üblich- zur Zeit der Spiele mal kurz vorbeigucken will, muss der Herr der Stadt untertänigst erst mal beim IOC um Erlaubnis bitten.

Event-City Hamburg

Die geplanten „Mega-Spiele“ werden inszeniert als krönender Abschluss der Verwandlung der Stadt in eine Event-City. Es geht inzwischen den meisten Hamburgern gewaltig auf den Sack: Großer Hafengeburtstag, kleiner Hafengeburtstag (Cruise Days), Harley-Days, drei Marathons pro Jahr, Cycle-Events, ein Massen-Pinkel-Event (SchlagerMove), Alstervergnügen, Kreuzfahrt-Begrüßungs-und Abschieds-Feiern, Alstervergnügen, Musical-Tourismus, Lichtspiele im Hafen, jedes Wochenende irgendwo ein Mega-Super-Feuerwerk …..die Hotelbranche jubiliert, die Handelskammer gratuliert und der gewöhnliche Hamburger ist schwer genervt. Olympia in Hamburg  setzt dieser Entwicklung die abschließende Krone auf: Für ein 13tägiges „Sportereignis“, das sich die überwiegende Mehrheit der Hamburger sowieso nur im TV (wahrscheinlich gebührenpflichtig) anschauen kann, weil es laut IOC-Statut keine privilegierten Kartenkontingente für Einheimische gibt, werden relevante Teile der Stadt über Jahre in eine Riesenbaustelle verwandelt…allein die Verlagerung der Hafenbetriebe auf dem Grasbrook soll laut Mitteilung des Verbands der Hafenwirtschaft ne knappe Milliarde kosten. Dort entsteht dann das Olympia-Stadion, das nach Ende der Spiele für nix zu gebrauchen ist.

Finanzen

Ja…die Finanzen. 1,2 Milliarden € will Hamburg für Olympia beisteuern, auf die Stadt kommen durch die Abwicklung der Pleite-Bank HSH  noch mal 8-10 Mrd. € und durch Stützung der teilverstaatlichten Hapag-Lloyd-Reederei ca. 3-4 Mrd. € Sonderausgaben in den nächsten Jahren zu – da bleibt wahrscheinlich wenig übrig für die Riesenaufgabe der Flüchtlingsintegration und des sozialen Wohnungsbaus. Aber vielleicht kann ja Wolfgang Schäuble, unser stahlharter schwäbischer Kassenwart helfen: Die Olympiaplaner gehen wie selbstverständlich bisher davon aus, dass der Bund 6-7 Mrd. € zu ihrem Projekt beisteuert. In Berlin hat man bisher nur unverbindlich angefragt und allgemeines Kopfschütteln geerntet.  Also, Schäuble: Hör auf, das griechische Volk zu knechten und mach die Kasse zu,  wenn es um die Begehrlichkeiten größenwahnsinniger Hamburger Lokalgrößen geht!

Abstimmen!

Die Zustimmung der Hamburger zum Olympia-Projekt sinkt kontinuierlich, allerdings steht –nach Umfragen- noch immer eine Mehrheit von ca. 60% hinter dem Vorhaben…kein Wunder bei dem gegenwärtigen Propaganda-Bombardment.  Die Gegner des Projekts sollten die Zeit bis zum 29. November nutzen…viele Leute sind unentschlossen und uninformiert. Das IOC selbst nennt Kriterien für den endgültigen Zuschlag für die Spiele: Eins der wichtigsten ist die „substanzielle Unterstützung der lokalen Bevölkerung“ für die Durchführung  des Projekts. Auch wenn die Abstimmung mit –sagen wir- 53:47% für den Olympiawahnsinn ausgeht,  ist die Legitimationsgrundlage für die weitere Durchführung der Planung in Frage gestellt. Der Chef  des DOSB,  Alfons Hörmann, zittert schon und verkündet in den Kieler Nachrichten unverdrossen: „Die Bewerbung läuft weiter, auch bei nur 50,1% Zustimmung.“ Machen wir’s also wie die Leute aus München, Boston und Toronto:  Die haben es geschafft, den lokalen Politikdarstellern ihr Megaspielzeug aus den Händen zu nehmen.  Das müsste doch auch in Hamburg zu schaffen sein.

Links zum Artikel:

www.nolympia-hamburg.de

http://fairspielen.de/wp-content/uploads/2015/10/Position-BUND-Olympia.pdf

www.stopolympia.de

http://neinzuolympia.de/stellungnahme.html

http://www.linksfraktion-hamburg.de/?s=no+olympia

http://www.olympiakritik-aus-der-wissenschaft.de

 

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Über rantanplan102

Rantanplan102 macht Musik. Er interessiert sich für Kultur, Literatur, die sozialen und politischen Verhältnisse und natürlich für die Musik. Er liebt die große wilde Natur. Er fühlt sich der internationalen nicht-autoritären Linken verbunden. Er ist zu erreichen unter bluebossa38@gmail.com
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